Leipziger Völkerbrot

Lausitzer Rundschau vom 28.01.2008

Halbzeit bei der Sanierung des Völkerschlachtdenkmals

Elton John, Carlos Santana und Chris de Burg werden vor Kulisse spielen

 

Halbzeit bei der Sanierung von Europas größtem Denkmal: Nach fünf Jahren steht das Leipziger Völkerschlachtdenkmal kurz vor der vollständigen Trockenlegung. Die veranschlagten 32,3 Millionen Euro Gesamtkosten für die Reinigung des verrußten Monuments sind zur Hälfte ausgegeben. Bis zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht und dem 100. Jahrestag der Eröffnung des Monuments gilt es allerdings noch ein Finanzloch in Höhe von 6,7 Millionen Euro zu schließen. Das Denkmal erinnert an die Völkerschlacht 1813 bei Leipzig, an der mehr als eine halbe Million Soldaten der Franzosen, Preußen, Russen, Österreicher und Schweden teilnahmen. 120 000 von ihnen sind auf dem Schlachtfeld gestorben.

"Bis Ende dieser Woche erfolgt die Demontage der Balustrade am mittleren Aussichtsplateau", sagt Oberbauleiter Ronald Börner. "Erst danach wird es innen trocken." An der Problemzone des feuchten, 300 000 Tonnen schweren Kolosses "läuft Regenwasser wie in eine Badewanne in die Ruhmeshalle zu den Totenwächtern rein", sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Klaus-Michael Rohrwacher. Die einzelnen Steine der Balustrade werden mit Hilfe eines Krans aus 57 Meter Höhe abgetragen, sagt Börner. Die Fugenoberflächen der 84, etwa zwei Tonnen schweren Segmente werden anschließend gereinigt, Steinschäden beseitigt und Kabel und Regenrinnen auf dem 70 Meter umspannenden Plateau installiert.

Die Sanierung läuft laut Oberbauleiter nach Plan. Mitte des Jahres soll der erste Teil der Restauration in der Kuppelhalle mit den 324 fast lebensgroßen Reiterfiguren abgeschlossen sein. "Diese Bildhauerkunst von damals ist schon sehr beeindruckend", sagt Börner.

Zur Beseitigung der finanziellen Lücke setzt der Förderverein auf unkonventionelle Mittel. In diesem Jahr soll eine eigene Lotterie gestartet werden, um die Baukasse aufzubessern. "Wir sind in Gesprächen mit den Aufsichten", sagte Sachsen-Lotto-Sprecherin Kerstin Waschke. "Alles andere wird in diesem Frühjahr noch geklärt. Wir können noch nicht sagen, wie das Los aussehen soll." In Kooperation mit der Leipziger Bäckerinnung werden seit Herbst vergangenen Jahres das "Völkerbrot" und kleine "Völki"-Brötchen verkauft. Dabei seien bisher 100 000 Euro zusammengekommen. In den zurückliegenden fünf Jahren seien insgesamt 500 000 Euro an Spenden gesammelt worden, sagt Rohrwacher.

Der Verein wolle auch Geld beim Bund und der EU beantragen. "Ich bin optimistisch und rechne damit, dass wir noch entsprechende Mittel kurz vor Schluss bekommen werden." 6,7 Millionen Euro sind nötig, um Eingangspylonen, Wasserbecken und Treppen zu sanieren. Das Völkerschlachtdenkmal ist ein Besuchermagnet der Stadt und wird auch kulturell genutzt. Das Schauspiel Leipzig wird einmal im Monat den dritten Teil von Friedrich Schillers Trilogie "Wallenstein" aufführen. Im Juli sollen Elton John und Carlos Santana vor der beeindruckenden Kulisse auftreten, im August Chris de Burg.