Leipziger Völkerbrot

Sächsische Zeitung vom 09.02.2008

Brot für Feinschmecker und Patrioten

Das Völkerbrot hatte diese Woche seine Premiere im Weißeritzkreis. Chris Sauer in Pretzschendorf bäckt es von jetzt an regelmäßig.

Das Kompliment von Thea Winkler hatte am Freitag an der Ladentheke der Bäckerei Sauer in Pretzschendorf besonderes Gewicht. Sie kostete von dem neuen Völkerbrot und sagte: "Schmeckt wie Brot." Und die Rentnerin weiß, wie Brot schmecken muss. Sie hat mit ihrem Mann 40 Jahre die Bäckerei im benachbarten Röthenbach geführt. Damit war sie die Richtige, um bei der Premiere des Völkerbrots im Weißeritzkreis zu probieren.

Bäckermeister Chris Sauer aus Pretzschendorf ist bisher der einzige, der es im Landkreis anbietet. "Ich habe es auf einer Messe in Leipzig kennengelernt und dachte, dass es geeignet sein könnte für unser Gebiet. Es ist ein kräftiges Brot, wie es die Leute hier gerne mögen. Es hat auch einen regionalen Bezug. Das Völkerschlachtdenkmal kennt in Sachsen jeder", erzählt er.

Zwei Tage bekam Sauer zur Einführung Hilfe von Lothar Kretzschmar, einem Bäckerkollegen, und René Groh, der das Projekt Völkerbrot bei der Bäko Ost leitet. Denn es gehört mehr dazu, als einfach ein leckeres Brot zu backen. Die Bäko, eine Liefergenossenschaft für das Bäckerhandwerk, hat auch alles für die Vermarktung vorbereitet, Plakate, eigene Brottüten und eine Internetseite. Eine ganze Projektgruppe hat sich Gedanken um das Brot gemacht, sogar historische Forschungen angestellt. Dabei kam die besondere Form des Völkerbrots heraus, ein Zwillingslaib. "Ein Brot in dieser Art haben wir im Museum des Völkerschlachtdenkmals gefunden", erzählt Kretzschmar. Mit einer Schablone, ebenfalls schon vorbereitet, zeichnet der Bäcker mit Mehl die Jahreszahl "1813" und den Umriss des Denkmals auf jedes Brot.

Das Völkerschlacht-Denkmal gibt aber nicht nur den Namen, es hat auch was davon. Von den 2,50Euro, die jedes Brot kosten soll, gehen 20Cent an den Förderverein, der damit die Sanierung des Monuments unterstützt. "Wir wollen damit zwei Zielgruppen ansprechen", sagt Projektmanager Groh. "Die Feinschmecker, die so ein herzhaftes Brot lieben, und auch die patriotisch-idealistisch Gesinnten, die sich für das Völkerschlacht-Denkmal begeistern."

In Pretzschendorf, Colmnitz, Frauenstein und Niederbobritzsch, wo Sauer Verkaufsstellen hat, scheint es genug von beiden zu geben. Am Freitag um 6.30Uhr hatte der Meister hundert Brote fertig gebacken. Um halb zwei ging das letzte davon über die Ladentheke.